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Track Selection für Festivals: Wie Profis ihr Set planen
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Track Selection für Festivals: Wie Profis ihr Set planen

· Redaktion re:union Radio · 3 Min. Lesezeit

Track Selection für Festivals: Wie Indira Paganotto, IMOGEN und Arielle Free BPM, Peak-Time und Crowd-Reaktion steuern.

Track Selection für Festivals folgt anderen Regeln als ein Club-Set. Größere Crowd, kürzere Zeitslots, wechselndes Tageslicht, Wetter, Technik-Ausfälle – wer auf großen Bühnen auflegt, muss seine Musikauswahl an ganz andere Bedingungen anpassen als im intimen Club. Sechs erfahrene Festival-DJs haben AlphaTheta (Pioneer DJ) ihre Herangehensweise geschildert – ergänzt um Aussagen der spanischen Technoproduzentin Indira Paganotto aus einer separaten SEEDJ-Masterclass.

Auf einen Blick

  • Indira Paganotto spielt bei Festivals wie Awakenings meist 145–150 BPM, teils bis 250 BPM
  • David Guetta spielt bei kurzen 90-Minuten-Slots bewusst energiereicher als im Club
  • IMOGEN plant ihr Set nie komplett durch, sondern reagiert auf Slot-Zeit und Publikumsgröße
  • Arielle Free startet grundsätzlich mit einem energetischen Intro oder Banger, um die Stimmung zu lesen

Mehr Energie für mehr Menschen

Für David Guetta ist die Rechnung einfach: Ein Festival-Slot dauert meist nur 90 Minuten, und die Crowd ist um ein Vielfaches größer als im Club. Entsprechend energiereicher fällt seine Auswahl aus. „Wenn du ein Festival spielst, wollen die Leute genau deinen Sound hören, denn deshalb kaufen sie Tickets“, sagte er gegenüber Wired. „Und weil die Crowd so viel größer ist, brauchst du mehr Energie, um 100.000 Menschen zu bewegen, als um 200 zu bewegen.“ Underground-Musik gehöre für ihn in den Club – selbst wenn sie gelegentlich auf ein Festival wandert.

Die spanische Artistin Indira Paganotto verfolgt einen ähnlichen Gedanken, auch wenn ihr Sound deutlich technoider ist. In einer SEEDJ-Masterclass erklärte sie, Club-Bookings seien für sie „persönlicher“, weshalb sie dort mit einer „breiteren musikalischen Spanne“ arbeitet. Bei Festivals wie Awakenings dagegen bewegt sie sich meist zwischen 145 und 150 BPM, gelegentlich bis zu 250 BPM – experimentiert dabei aber weiterhin mit langsameren, minimaleren Momenten, wenn auch seltener als im Club.

„Wenn du ein Festival spielst, wollen die Leute genau deinen Sound hören, denn deshalb kaufen sie Tickets.“

Flexibel bleiben statt fertig planen

Die DJ, Produzentin und Wigs-Labelgründerin IMOGEN plant ihre Sets bewusst nicht komplett durch. Sie berücksichtigt zwar Festivaltyp, Land und Slot-Länge im Vorfeld, hält sich aber grundsätzlich an ihren gewohnten Sound – langsamere BPM spielt sie nur, wenn sie eröffnet oder kaum Publikum vor der Bühne steht. „Wenn weniger Leute da sind, spiele ich nicht das Peak-Time-Set, das ich mir vorgestellt hatte – es hängt wirklich vom Zeitslot ab“, erklärte sie.

Auch die Distanz zwischen Bühne und Publikum spielt eine Rolle. Die BBC-Radio-1-Moderatorin und DJ Arielle Free beginnt ihre Sets deshalb bewusst mit einem energetischen Intro oder einem großen Banger, um die Stimmung der Crowd einzuschätzen – ob die Sonne die Leute müde gemacht hat, der Kater noch nachwirkt oder alle sofort bereit sind. Über die Reaktion des Publikums entscheidet sie dann, wie sie weiterzieht.

Technik als Rückversicherung

Auch die Vorbereitung unterscheidet sich vom Club-Gig. Vinyl-DJ Jerome Hill, bekannt für sein Label DON'T, spielt bei Festivals fast ausschließlich digital, um dem „Schlammbad“ mit schweren Plattenkoffern zu entgehen – nur eine kleine Auswahl inklusive eigener Scratch-Platten kommt mit auf die Bühne. Ein USB-Stick als Backup ist für ihn Pflicht: „Du willst nicht die eine Person sein, die scheiße klingt, wenn etwas nicht so läuft wie es soll.“

BPM-Bereich Indira Paganotto (Festival)ca. 145–150 BPM, punktuell bis 250 BPM
Typische Set-Länge (Beispiel Guetta)ca. 90 Minuten
Genannte DJsArielle Free, EMA, IMOGEN, Jerome Hill, Indira Paganotto, David Guetta

Häufige Fragen

Welche BPM eignen sich für Techno-Festival-Sets?

Nach Indira Paganottos Erfahrung liegen Peak-Time-Sets bei Festivals wie Awakenings meist zwischen 145 und 150 BPM, mit gelegentlichen Ausreißern bis 250 BPM – deutlich höher als in einem Club-Set mit breiterer musikalischer Spanne.

Sollte man ein Festival-Set komplett durchplanen?

Mehrere der befragten DJs, darunter IMOGEN, raten davon ab. Slot-Zeit, Tageslicht und die tatsächliche Publikumsgröße vor der Bühne verändern die Situation oft kurzfristig – wer Übergänge und EQ-Arbeit sicher beherrscht, kann darauf spontan reagieren, statt starr an einer Tracklist festzuhalten. Auch harmonisches Mixen per Camelot Wheel hilft dabei, spontan umzudisponieren, ohne den Fluss zu verlieren.


Quelle: How to DJ at a festival, AlphaTheta/Pioneer DJ Blog, mit Aussagen von Indira Paganotto (SEEDJ-Masterclass) und David Guetta (Wired).

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