Thorin Tønsberg — Der Kopf hinter re:union
Vom Kellerstudio in Süddeutschland auf die dunklen Floors Europas: Ein Portrait über den Produzenten, DJ und Label-Gründer, der Dark Techno mit hypnotischer Tiefe verbindet.
Es gibt Künstler, die stellen sich selbst in den Mittelpunkt. Und es gibt Thorin Tønsberg. Der Kopf hinter re:union Records arbeitet seit Jahren konsequent daran, genau das Gegenteil zu tun: den Sound sprechen zu lassen, die Community ins Zentrum zu rücken, und selbst eher Regie zu führen als posen.
Aufgewachsen in Süddeutschland, tauchte Thorin Mitte der 2010er in die lokale Techno-Szene ein — erst als Hörer, dann hinter den Decks in kleinen Clubs, irgendwann mit eigenen Skizzen in Ableton Live. Der Durchbruch zum Produzenten kam um 2022: Die ersten Tracks, roh und kompromisslos, landeten auf SoundCloud und fanden dort eine Hörerschaft, die genau das suchte, was damals fehlte — Dark Techno mit Substanz, nicht nur Krach.
Die Handschrift: Dark, Hard, hypnotisch
Wer Thorins Sets hört, erkennt sofort das Muster: treibende 140-bpm-Grundströmung, darauf verschachtelte Percussion-Arbeit, darüber atmosphärische Pads und manchmal ein einzelnes, geflüstertes Vocal-Sample, das die ganze Nummer kippt. Der Sound changiert zwischen Hard Techno mit industriellen Kanten und jenen hypnotischen Passagen, die an Berliner Traditionen erinnern, ohne sie zu kopieren. Ein gutes Beispiel liefert die aktuelle EP After the Storm.
„Ich bin kein Fan von reiner Brutalität", sagt Thorin in einem der seltenen Interviews. „Mir geht es um Spannung. Ein guter Dark-Techno-Track muss atmen. Erst ziehst du die Luft raus, dann gibst du sie zurück — und dann erst haut der Drop rein." Diese Philosophie zieht sich durch jede seiner Produktionen: Geduld, Raum, dann Entladung.
Das Studio: Hybrid aus Software und Hardware
Gearbeitet wird im heimischen Studio in Süddeutschland — Ableton Live als Backbone, ergänzt durch eine wachsende Sammlung analoger Synthesizer und ein kleines Eurorack-Modular für die Texturen, die man mit Plugins nicht hinkriegt. Moog-Bässe, Elektron-Drums, ein Roland System-1m für die High-End-Experimente. Das Modular-Rack nutzt Thorin bevorzugt für die FX-Spuren: Reverb-Tails, Noise-Sweeps, unvorhersehbare Modulationen, die jeden Track zum Unikat machen.
„Hardware zwingt mich zu Entscheidungen", erklärt er. „In der Software kann ich alles endlos wiederholen. Am Synth drehe ich einen Knopf, nehme auf, und dann ist das der Take. Das macht den Sound direkter."
Live auf Twitch — freitags ab 20:00
Wer Thorin bei der Arbeit zusehen will, schaltet sich freitags auf Twitch dazu. Zwei Stunden Vinyl und Digital im Wechsel, parallel ausgestrahlt im re:union Radio-Stream. Chat-Integration, Radio-Sync, Setlist-Anzeige in Echtzeit — alles hausgemacht. Wer Thorins freitägliche Live-Shows sieht, merkt sofort: Da ist jemand, der seinen Workflow selbst programmiert.
Releases und Auftritte
Auf re:union Records sind seit 2022 über zehn Releases erschienen, die meisten davon Solo-Tracks unter eigenem Namen. Der komplette Katalog liegt auf Spotify und auf Beatport, wo einzelne Tracks regelmäßig in die Hard-Techno-Charts rutschen.
Thorins eigene Auftritte konzentrieren sich aktuell auf zwei Formate: Freitag-Abend Live-Shows und ausgewählte Gigs im Club-Kontext. Die Friday Night Live Sessions sind dabei mehr als nur Stream — sie sind Treffpunkt. Dreihundert, manchmal fünfhundert Hörer gleichzeitig im Chat, Live-Requests, Shoutouts in die ganze Welt.
Mehr von Thorin im Alltag
Für tägliche Studio-Einblicke, Tour-Updates und eher unaufgeregte Behind-the-Scenes-Momente lohnt sich ein Blick auf Instagram. Sets und Live-Aufnahmen, die nicht auf Twitch archiviert werden, landen meist später auf YouTube.
Wohin 2026
Für 2026 sind mehrere Schritte geplant: Ein Album-Projekt, das tiefer in die ambientere Seite des Sounds gehen soll; zusätzliche Gast-Slots auf dem Label, um die Handschrift zu verbreitern; und der Ausbau der Live-Infrastruktur rund um Friday Night Live. „Das Label ist für mich kein Solo-Ding", stellt Thorin klar. „Es heißt re:union, weil es um das Zusammenkommen geht. Der Plan ist, das Dach größer zu machen — nicht lauter."
Wer verstehen will, wohin Dark Techno jenseits des Hype-Zyklus gehen kann, findet bei Thorin Tønsberg einen der konsequenteren Entwürfe der Szene.